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| Jeder hat sich bestimmt schon einmal diese Frage gestellt, ob offen ausgesprochen oder nur innerhalb seiner eigenen Gedanken. Jeder der am Training einer Kriegskunst teilnimmt fragt sich ab einem bestimmten Zeitpunkt, warum er überhaupt diese "eine" Kriegskunst trainiert. Der Anfänger fragt sich mehr als der Fortgeschrittene, aber auch der Fortgeschrittene wird sich im Laufe der Zeit mit Selbstzweifeln das Leben selbst schwer machen.
In den frühen Kriegskunstjahren hat man sich kaum solche Gedanken gemacht. Es bestand auch keine Notwendigkeit dazu. Man kämpfte um das nackte Überleben. Das war die Regel des Krieges. Man erlernte Techniken die spezifisch ausgesucht wurden und schon ging es ins Schlachtfeld um seinem Herren zu dienen, auf Leben oder Tod. Nicht nur die Techniken waren entscheidend, sondern auch der mentale bzw. geistiger Zustand des Kriegers spielte eine große Rolle. Die geistigen Aspekte spielten schon immer eine wesentliche Rolle in den Kriegskünsten. Da die alten Kriegskünste unter den Einfluß der esoterischen Lehren wie z.B. des Buddhismus und Shintoismus standen, war das auch kaum zu vermeiden, daß man sich mit den geistigen Schulungen auseinandersetzte. Diese Lehren wurden im Unterbewußten verankert und wurden später zur Essenzielen Kernlehren aller Kriegskünste. Daher wurde die Frage: Um eine solche Frage zu beantworten muß man sich an dieser Stelle mit anderen Lehren beschäftigen um einige Sachen zu verstehen. So heißt es z.B.: "Das Geheimnis der Kriegskünste ist das Geheimnis des Zen". Das Geheimnis ist im wesentlichen Sinne seinen Geist zu lenken. Aber wie kann man das ? In einem Kapitel, eines alten Textes wird folgendes wiedergegeben: "Die wahre Technik des Körpers muß die Substanz des Geistes selbst sein. Die Substanz ist der Geist. Man darf nicht den Körper des Gegners betrachten, sondern muß vielmehr seinen eigenen Geist lenken. Es gibt keinen Feind. Der Geist ist ohne Form, und doch kann er manchmal Form annehmen - das ist wie beim Zazen." Das Kriegskunst-Training darf nicht nur als eine Körperliche Entwicklung gesehen werden, obwohl man sich heutzutage nur noch auf Wettkämpfe oder auf das reine erlernen von Techniken konzentriert. Früher war das alles anders, weil es dort um das nackte Überleben ging, welches letztendlich von der reinen Intuition abhängig war. So war und ist die körperliche, technische und geistige Kraft eng miteinander verflochten, wobei die Kraft der Konzentration (also die geistige) hier an erster Stelle gestellt werden muß. Die Anspannung des Körpers, die technische Fertigkeit und die geistige Intuition müssen zusammengeführt werden und eins werden. Handlung und Bewußtsein müssen eine Einheit bilden. Dann ist man im KÛ oder in der Leere. Das ist der wahre Weg des Budô. Die Kriegskünste sind weder Sport, Spiel noch sind sie ein einfacher Zeitvertreib. In Ihnen liegt ein tiefgründigerer Sinn nämlich der SINN DES LEBENS überhaupt und damit auch der Sinn des Todes, denn diese beiden sind untrennbar miteinander verbunden. Das ist BUDÔ. Der wahre Weg des Budô befindet sich weder im Wettkampf noch im Streit - er befindet ist jenseits von Leben und Tod und jenseits von Sieg und Niederlage. Was bedeutet das für unser tägliches Training ??? Nun, zu Beginn übt man immer wieder Techniken (waza) und Formen (kata) um sich ein Fundament aufzubauen. Man kann den Beginn dies mit dem erlernen eines Musikinstrumentes vergleichen. Später ist man im Stande ohne große Überlegungen zu spielen, d.h. nach jahrelangem Training haftet nicht mehr an dem "Ich - Bewußtsein", sondern spielt ganz natürlich. Mit einem "Nicht - Bewußtsein" kann man schließlich etwas neues erschaffen. Das gleiche gilt für unser tägliches Leben ebenso für unser tägliches Training. Aber man darf nie die Anfänge vergessen, sonst ermattet unser Geist und wir werden dadurch unkonzentriert. Das liegt an einem zu starken Egoismus und am Mangel an Anstrengung. Dadurch laufen wir Gefahr von unserem Weg abzukommen. Ein wesentlicher Aspekt des Budô ist die unmittelbare Einheit mit der authentischen Wahrheit des Universums zu finden. Es ist wichtig in seinem persönlichen denken das "Ich-Bewußtsein" zu übersteigen und das nicht nur mit dem Gehirn. Man muß mit dem ganzen Körper "denken". Im allgemeinen sehen wir das Leben des Körpers und das Leben des Universums als zwei getrennte Einheiten. Tatsächlich aber beschränkt sich unser Leben nicht nur auf unser "körperliches" Leben sondern steht im ständigen Austauschprozeß mit dem Leben des Universums. Diese wechselseitige Abhängigkeit oder Beziehung zu verstehen, bedeutet, Kû zu verstehen. Kû zu üben bedeutet gleichzeitig die höchste Wahrheit, die universelle Liebe zu suchen. Diese Leere, Kû, besitzt grenzenlose Energie die wir natürlich nur empfangen können wenn sich unser Leben mit dem Leben des Universums in Harmonie befindet. Die höchste Lehre der Kriegskünste. Die höchste Lehre des Ninpô. Diesem Zweck dient das Training in den Kriegskünsten! BuFuSui Ikkan |

Der Zweck des Budô
von Kostas Kanakis - Bujinkan Shihan